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Bildungserfolgreiche Transmigranten. Eine qualitative Studie über deutsch-türkische Migrationsbiographien

Projektleitung: Prof. Dr. Hartmut Griese (Laufzeit 2008-2010)

Mitarbeiter*innen: Dr. Isabel Sievers, AOR Rainer Schulte 

Publikation in der Reihe 'Bildung in der Weltgesellschaft'

 

Die Kompetenzen von hochqualifizierten Migranten werden in Deutschland trotz immer wieder postuliertem Fachkräftemangel häufig nicht anerkannt. Viele denken über eine Rück- bzw. Auswanderung in das Land ihrer Vorfahren nach, in dem ihre Fertigkeiten ihnen eine Karriere ermöglichen, die ihnen hier verwehrt wird, haben aber weiterhin starke Bindungen nach Deutschland.

Im Kontext von Globalisierungsprozessen sind diese Transmigranten mit ihren durch die doppelte oder mehrfache Migrationserfahrung erworbenen Kompetenzen ein Beispiel für mobiles Leben in verschiedenen Heimaten.

 

Pressemitteilung über das Forschungsprojekt

Jung, erfolgreich, türkisch - hierzulande nicht gefragt? 

Abitur, Studium, ein erfolgreicher Hochschulabschluss – eigentlich die besten Voraussetzungen für einen reibungslosen Berufseinstieg in Deutschland. Viele erfolgreiche Hochschulabsolventen mit Migrationshintergrund sehen ihre Chancen jedoch nicht in Deutschland, sondern in dem Land, aus dem ihre Eltern einmal eingewandert sind. Sie machen Karriere bei internationalen Firmen oder Institutionen außerhalb Deutschlands. 

Mit den Biografien dieser so genannten bildungserfolgreichen Transmigranten mit Universitätsabschluss beschäftigt sich ein aktuelles Forschungsprojekt der AG Interpäd, ein interdisziplinärer Arbeits- und Forschungsbereich an der Philosophischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover. Unter der Leitung von Prof. Hartmut Griese wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Transmigranten untersuchen, die heute in der Türkei, in Polen und in Russland arbeiten sowie eine Vergleichsgruppe in Deutschland. Die Kontakte sollen über Internetforen, Vereine und Zusammenschlüsse von “Rückkehrern” entstehen. Die Interviews werden in Kooperation mit Universitäten vor Ort laufen. 

Dabei stehen zwei Schwerpunkte im Mittelpunkt: Zum einen geht es um die Gründe für den Bildungserfolg. “Warum haben es diese Migrantinnen und Migranten geschafft und andere nicht?”, fragt Dr. Isabel Sievers, Koordinatorin der AG Interpäd. Zum anderen geht es um die Motive, die die jungen Männer und Frauen dazu bewogen haben, ihre berufliche und private Zukunft im Land ihrer Eltern weiterzuverfolgen: “Warum sahen sie hierzulande keine beruflichen Möglichkeiten für sich, und wieso lässt Deutschland sie ziehen?” 

Für das Projekt, für das ein Antrag auf Förderung bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gestellt ist, lief bereits eine einjährige Vorstudie in Ankara und Antalya, die im Frühjahr unter dem Titel "Bildungserfolgreiche Transmigranten. Eine Studie über deutsch-türkische Migrationsbiographien" bei dem Verlag Brandes & Apsel veröffentlicht wird. In exemplarischen Biografie-Untersuchungen hochqualifizierter Transmigranten konnten die Forscher erste Erkenntnisse sammeln. Der Großteil der Befragten stammt aus klassischen Gastarbeiterfamilien. Gemeinsam ist fast allen, dass eine Person außerhalb der Familie, etwa eine Lehrerin, ein Lehrer oder eine Nachbarin, die jungen Migranten in ihrer schulischen Entwicklung und Ausbildung unterstützt hat. “Aus diesen Erkenntnissen können wir bildungspolitische Rückschlüsse ziehen: Wie können solche erfolgreichen Biografien besser gefördert werden?”, sagt Dr. Sievers. 

In den Befragungen habe sich zudem herausgestellt, dass sich viele trotz ihres Bildungserfolges und der perfekten Zweisprachigkeit in Deutschland gesellschaftlich benachteiligt fühlten. Das zeigten Äußerungen wie: “In diesem Land werde ich nie Bürger erster Klasse sein.” In ihren Herkunftsländern seien die Hochschulabsolventen hingegen äußerst gefragt. Das aktuelle Projekt soll weitere Erkenntnisse über “bildungserfolgreiche Transmigranten” liefern. 

Presseinformation vom 15.12.2009, Dr. Stefanie Beier, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Leibniz Universität Hannover

Interview mit Prof. Dr. Hartmut Griese im Deutschlandradio am 6. Januar 2010

Soziologe berichtet über die Berufaussichten von Migranten und sein aktuelles Forschungsprojekt. 

www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/1099981/ 

Interview mit Dr. Isabel Sievers in der Frankfurter Rundschau am 29.01.2010

Aufbruch zu den Wurzeln. Immer mehr Deutschtürken suchen am Bosporus ihr berufliches Glück, weil ihre Fähigkeiten dort eher anerkannt werden. Isabel Sievers spricht im FR-Interview über erfolgreiche Migranten.

www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/

 

Pressespiegel 


Deutsch-Türkische Medienagentur, Kurfürstendamm 161, 10709 Berlin, Auswertung der türkischen Zeitungen  vom:  18. 12.  2009  

Die konservative «Hürriyet» ist der Meinung, dass Deutschland endlich aufgewacht sei: «Guten Morgen Deutschland», ist auf Deutsch auf der Titelseite zu lesen. «Die Leibniz Universität in Hannover wird wissenschaftlich untersuchen, warum gut ausgebildete und akademisch ausgebildete junge Migranten Deutschland verlassen und in ihre Heimatländer zurückkehren wollen». Eine Antwort habe die Forscherin Isabel Sievers bereits gegeben: «Sie fühlen sich in Deutschland niemals als Bürger erster Klasse, sie werden ausgegrenzt».

 

Türkische Presse Europa 16.12.2009 – Bildung, Doppelstaatigkeit, Minarettverbot 

Forscher der Leibniz Universität Hannover untersuchen die Biografien von bildungserfolgreichen Migranten, ist in der ZAMAN zu lesen. Unter dem Titel “Bildungserfolgreiche Transmigranten. Eine Studie über deutsch-türkische Migrationsbiografien” nimmt die Gruppe um Prof. Hartmut Griese zum einen die Gründe für den Bildungserfolg unter die Lupe. Zum anderen gehe es um die Motive junger Migranten, ihre berufliche und private Zukunft in den Ländern ihrer Eltern weiterzuverfolgen.